Paradigmen, die

Herr D,

ich war kurz versucht, ein „Gott“ einzuwerfen. Aber das hätten Sie vielleicht falsch verstanden. Nun denn, Sie mögen mir sicher erzählen, was eigentlich mit meinem Mac los ist? Gelegentlich fällt er einfach aus. So richtig. Dann dreht sich hier nun noch die Spirale, sonst aber nüscht mehr. Richtig kacke.

In den vergangenen Minuten jedenfalls hat er mir den Einstieg dieses Textes geraubt und nun muss ich hier noch einmal ansetzen und werde ganz sicher nicht mehr das abseilen können, was ich vorher und vorhin als Gedanken verdichtet hatte.

Paradigmen, darum sollte es gehen. Und damit stieg ich auch ein. Dass ich dächte, diese Tage seien vor allem von einem Paradigma bestimmt.

Und – es kommt mir doch noch – darauf, dass diese Annahme ja ohnehin wieder nur keine allgemeingültige sein könne und nur meiner queren Realität entsprungen, also der Projektion all dessen, was ich mir aus diesem eigentlich genuin angelegten Konzept, das wir Wahrheit nennen, zusammengesponnen habe. So weit, so tot. Aber lesen Sie ruhig weiter.

Sie gestatten: Erst einmal sichern, ehe sich dies technische Teufelswerk wieder verabschiedet.

Gut, kehren wir einmal zurück – Sie kennen mich ja und dass ich gerne zu weit herausschwimme, alle Mitschwimmenden dabei gerne ertrinken lassen. Aber Gedanken müssen auch raus.

Und letztlich soll es genau darum hier auch heute irgendwie gehen. Paradigma insofern, als dass dieser Tage so sehr von Menschen bestimmt zu sein scheint, die meinen, man müsse nur im Wesentlichen und ja tief in sich hineinhorchen, um zu verstehen, was man sei und wohin es damit ginge. So als ließe sich einfach alles per se über diese eine Erkenntnis lösen und zwar: forever. Wenn der Schalter einmal in die richtige Richtung gekippt ist, löst sich alles in Liebe auf.

Als sei das alles so einfach und all diejenigen, die sich ein vermeintlich ganzes Leben an einem Thema abarbeiten einfach OPFER: Bla.

Ich sprach wiederum gestern mit einer Freundin genau über dieses Thema und sie erwähnte, wie sie vor kurzem final und einmal wieder über einen dieser recht verkümmert geratenen Sinnsprüche gestolpert war – wie sie dieser Tage unsere Wahrnehmung auf Insta, Facebook oder schlicht an Hauswänden klebend verstopfen. Mit dem Unterschied zu allen anderen Tagen und Wochen, dass sie dieses Mal verstanden, ja introjiziert hätte, was es damit auf sich hat.

Nur, sprach sie, um es dann eine Stunde später wieder vergessen zu haben.

Ich erlebe mein Sein manchmal als ewige Kettenreaktion zwischen Erkenntnis und Rückschritt. Wobei der Rückschritt streng genommen natürlich – und betrachteten wir es einmal psychoanalytisch – auch nur darauf verweisen will, was an Erkenntnis noch nicht final erreicht ist.

Aber das – also die Krise als etwas wertvolles und sinnstiftendes zu begreifen – von dieser Annahme scheint mir die Gesellschaft unserer, dieser Tage recht weit entfernt. Da wird dann eher von Resilienz geschrieben und gesprochen, wahrscheinlich auch als ein dem neoliberalen Opportunismus geschuldetes Moment. Als sei schlichtweg nicht hinnehmbar, dass Menschen auch mal ausfallen. Das daraus vielleicht auch nicht immer etwas entstehen muss. Überhaupt dieses Müssen und Können und wie darüber all jene in Ungnade geraten, die genau das nicht erfüllen. Die nicht können, obwohl sie müssten.

Ich treffe unterdessen immerzu Männer, die genau dieses Paradigma zu erfüllen scheinen, die man wohl als high achiever einsortieren würde. Klassisches Unternehmertun oder schlicht Menschen, die einfach wahnsinnig viel tun. Tun an dieser Stelle, ohne zu hinterfragen. Diese Kerle machen also. Eins nach dem anderen. Weil sie irgendwann einmal begriffen haben, wie’s läuft. Alles klar. Und wenn einmal irgendwas nicht klappt, dann eben in der Version B, einer leicht variierten Variante der eigentlichen Strategie. Sie tun jedenfalls immer was. Busy bees, diese Kerle.

Und klar: Denen zu begegnen, ist selbstredend auch kein Zufall. Wahrscheinlich eher Projektion.

Ich hingegen bin nämlich überhaupt nicht so angelegt. Oder vielleicht eher phasenweise. Ich glaube, ich denke einfach zu viel. Ja wirklich. Kein Moment, in dem es in meinem Kopf nicht rumort und dann fließt gelegentlich ein Text wie dieser aus diesem ewig und zähflüssig durch meine Gehirnwindungen seiernden Gedankenbrei.

Bestimmte Dinge kann ich auf Abruf auch einfach erledigen. Klar. So stumpfes Zeug, wozu nix angeknippst werden muss, ganz im Gegenteil – vielleicht eher für einen Moment etwas ausgeschaltet wird. Aber das, was ich professionell vor allem tue,  nämlich mehr oder weniger „kreativ“ zu sein für Menschen, Kunden oder Produkte, die das selbst nicht so sehr vermögen, ist etwas, das sich oft einfach ergibt, nachdem ich einen halben Tag nichts mit mir anzufangen wusste.

Nun kann man natürlich einwerfen, das sei vielleicht der Zugang jener Menschen, die sich dahingehend nicht professionalisiert hätten und der wahre Künstler, Kreative, was auch immer, wüsste einfach abzurufen, wenn es sein müsste.

Ich bin mir da nicht so sicher. Und jetzt mal unter uns: Finden Sie nicht eigentlich auch jene Gesellen viel auffälliger, die einfach ständig raushauen und dazu nicht mal Microdosing betreiben?

Abseits dessen: Realitäten sind wohl nie ganz deckungsgleich. Oder glauben Sie, das gäbe es doch? Zwei Menschen – eine Realität. Und, meinen die Menschen das, wenn sie von Topf-und-Deckel-Konstrukten sprechen?

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob in dieses, mein Leben eine Ergänzung passte. Oder ob es nicht vordergründig um Reibung geht. Da wären wir wieder bei der Krise und den Menschen, die darum und ihrem Wachstumspotenzial einen Fetisch gestalten.

Auf denn jedenfalls,

Ihre K

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