Et voilà: Hypernormalisation

Manche Abende sind dazu da, jene Dinokekse zu essen, die man dem Kind versprochen hatte. Am nächsten Morgen gilt es dann wiederum zu behaupten, eine kleine fiese Maus habe sich daran vergriffen, habe nur wenige Krümel übrig gelassen. Weil der kreative Elternteil die Geschichte glaubhaft formulieren will, legt er die Krümel bereits am Abend zurecht – oder kaut die Kinderkekse einfach unmittelbar über der Stelle, von der er in ein paar Stunden behaupten wird, dort sei die Maus gewesen.

Das Kind wird wiederum und wahrscheinlich in weiser Voraussicht nach dem Kekse essenden Elternteil begehren. Es könne nicht schlafen, wird es aus seinem Bett rufen. Es bedürfe eines Erwachsenen, jene Monster zu vertreiben, die sich durch das Fenster geschlichen hätten und nun in der Ecke lauerten.

Diese Einstiege aber auch. Was das immer soll. Worauf sie hinaus will. Die Katharina.

Gewisser Weise verstehen sich die Einstieg zu meinen posts hier als Selbstzweck und tada, da wären wir doch bei einer Überleitung angelangt. Denn wenn ich darüber hinaus eines nicht vermag, dann Texte, die auf diesem Blog erscheinen, so ökonomisch aufzubereiten, dass sie gelesen werden.

Das hat sicher etwas damit zu tun, dass ich keinen dieser Instagram-Feeds betreibe, auf denen neben 3088 selfies 12 Fotos von meinem Essen bestehen. Wobei: Dass ich diesen Text hier gerade schreibe, hat vor allem damit zu tun, wie ich mich heute Mittag selbst dabei ertappte, das hier etwas kongruenter zu gestalten. Nette Fotos, hübsche Teaser, immer eine Message im Text.

Der Grundtenor: customize yourself.

Ekelhaft. Denke ich also nur ein paar Stunden später und frage mich, wie es dazu kommen konnte. Ich ahne, die neue Produktivität in meinem Leben befördert eine um die abseitigen Dimensionen des Lebens beschnittene Perspektive. Fast forward. Schön im Tunnel unterwegs. Anything goes. Brechreiz.

Und ja, sicher will ich irgendwo damit hin, aber wenn man einmal betrachtet, wie das, was hier gerade stattfindet letztendlich auch nur wieder dazu dient, dass irgendwer irgendwas monetisiert (eigentlich heißt es ja monetisiert – aber das stößt den meisten wohl übel auf) – Himmel. Wie soll es nur weiter gehen mit uns?

Ich denke, es ist mindestens 8 Jahre her, dass ich dies schrieb (aber wie das manchmal so ist und Gedanken nicht nur für einen Bruchteil unserer Zeit bestehen):

„Was ist das nur für eine kranke Welt, in der sich alles darum dreht, wer wem gefällt?“

Ich weiß doch auch nicht und mische dieser Tage kräftig mit. Ob das wieder so eine Berliner Unart ist. Ein Freund behauptete das kürzlich. Beep, beep… boop: Blubberblase.

Wir werden sehen. So lange verdrängen wir oder verfallen wie Rene Pollasch auf Twitter in subversive Sinnsprüche.

Indessen und zur weiteren Verwirrung sei dies hier empfohlen:

Das Beitragsbild als Referenz und Report von und zu #wastedrita.

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