Über das Ende der Arbeit

Ich habe mich also entschieden, das Arbeiten aufzugeben.

Zumindest in der Form, wie ich es getan habe, seitdem ich aus dem Studium in mein Volontariat diffundiert bin. Seitdem arbeite ich. Wie man eben arbeitet. Vollzeit, Überstunden selbstverständlich, quasi die gesamte Woche mit kleinen Erholungsfenstern am Wochenende, die in der Regel darin ausarten, so schnell wie möglich alles so weit in Ordnung zu bringen, damit man in der kommenden Woche gerüstet ist, vor und nach dem Arbeiten gar nichts mehr zu schaffen.

Auch wenn dem einen oder anderen inzwischen blühen dürfte, dass die alte Arbeitswelt mit ihrer Anwesenheitspflicht und diverser anderer Totschlagargumente wider jeder Kreativität recht fragwürdig anmutet: In den entscheidenende Etagen ist das bislang noch nicht angekommen. Nun stehen die meisten von uns ja dankbarer Weise nicht mehr halbe Tage am Band, aber darüber hinaus scheint bis heute alles so, wie es von Ökonomen einmal für eine Nachkriegsgeneration gedacht war. Da mögen Digitalisierungsbeschwörer wie der Lobo oder selbsternannte Netzökonomen wie Holger Schmidt noch so sehr mahnen, auf uns alle kämen Umwälzungen zu. Immer wieder bemühten Berechnungen nach sollen ja gefühlt mindestens 89 Prozent aller bislang noch existierenden Jobs in den kommenden 152 Wochen dem Boden gleich gemacht werden. Die Maschinen, sie krallen sich alles. ALLES.

Gut, das war ein wenig überspitzt.

Ökonomen eignen sich ja nicht unbedingt als Visionäre. Das gilt für Holger Schmidt wie für John Maynard Keynes. Veränderung, Umbrüche, Innovationen überraschen die Menschen in der Regel oder schleichen sich zumindest heimlich ein. Ich will mich also nicht allzu sehr davon abhängig machen, was die guten Zukunftsforscher uns da permanent zuraunen. Aber mein Gefühlt flüstert mir doch, so ganz unsinnig ist das nicht, was da so kommuniziert wird. Und im besten Fall zieht man sich ja ohnehin immer das für sich und seine Situation beste Element aus einer Weltanschauung.

Meine Weltanschauung hat sich in den letzten Jahren wohl radikal verändert. Ich habe das Arbeiten – wie es war und für die meisten noch ist – bis vor ein paar Jahren nie hinterfragt. Ich gehörte zu den Kandidaten, deren Job nicht nur Arbeit, sondern auch Leben war. Ich habe quasi im Arbeiten gelebt. Ich bin früher als alle anderen gekommen und später als alle anderen gegangen. Ein Streber, könnte man auch sagen. Wenig selbstbehauptet würde ich heute meinen.

Selbstbestimmung versus Angst

Selbstbestimmung ist hingegen das Stichwort dieser, meiner Tage. Ich habe viel zu lange geschluckt, was da in mir rummohrte. Dabei scheint sich das Thema „Aufbegehren“ oder wenn man es weniger positiv verpacken will „Unvermögen zu Funktionieren“ wie ein roter Faden durch meine „Erwerbsbiografie“ zu ziehen. Ich war immer gut darin, besonders gut in Dingen zu sein, die mich gefesselt haben. Ich war immer sehr schlecht darin, Dinge zu erledigen, weil sie eben gemacht werden müssen, weil sie vorgegeben und deshalb selbstverständlich waren.

Letztlich spielt da ganz offensichtlich viel Angst mit rein. Da geht es viel darum, sich nicht zu trauen, über den Tellerrand hinwegzuschauen. Als würde man über eben jenen Rand in den Abgrund stolpern. Ja, nicht nur stolpern – stürzen, fallen, nie wieder aufstehen können. Das ist natürlich grober Unfug. Ebenso wie es vor Jahrhunderten Unfug war anzunehmen, die Erbe sei eine Scheibe und man würde unmittelbar vom Höllenschlund verschluckt, wenn man sich gen Horizont aufmachte.

In einer flachen Welt ist es gefährlich, Perspektiven zu haben.

Aber davon sollten wir uns nicht abhalten lassen.

Aufregende Zeiten stehen uns bevor.

Ich werde Euch davon wissen lassen.

 

 

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